
Itchy
Ich bin mir ganz sicher, dass es kaum einen Hund gibt (mich eingeschlossen), der sich nicht freut, wenn sein Mensch die Leine und das Halsband in die Hand nimmt und damit anzeigt, dass es endlich nach draußen geht. Dagegen bin ich mir bei manchen Hundebegleitern, was die Freude betrifft, nicht immer sicher. Aus vielerlei Gründen ist der Gassi-Gang für mache Hundehalter mit mehr oder weniger Stress verbunden.
Die meisten Hunde sind zu Beginn des Spazierganges höchst motiviert, weil sie endlich aus der häuslichen Langeweile heraus kommen und weil sie immer wieder (meist aber vergeblich) hoffen, dass sie gerade heute ganz bestimmt ganz was Tolles erleben. Daher gehen die meisten wie ein Schlittenhund gleich auf Hundeart jodelnd voll in die Leine und vergessen dabei alle Benimmregeln – sofern sie überhaupt welche beherrschten.
Aber nicht zuletzt deshalb hält sich die Freude mancher Menschen am Spaziergang mit ihrem Hund in Grenzen. Weil nämlich manche Menschen häufig nicht in der Lage sind, ihrem Hund eine passable Leinenführigkeit beizubringen, werden nicht wenige zum Freilauffanatiker, wodurch ihre durch das permanente Zerren ihres Hundes geschädigten Schulter- und Nackenmuskulaturen schlagartig entlastet werden. Die Notwendigkeit des rücksichtslosen Freilaufes ihres Hundes versuchen sie mit selbst gezimmerten „wissenschaftlichen“ Begründungen zu beweisen. Sie denken aber nicht daran, oder es ist ihnen egal, dass ihr außer Kontrolle geratener Hund andere Hundehalter oder Passanten belästigt oder ängstigt. Außerdem gibt es mehr als genug Hunde, die aufgrund fehlerhafter Aufzucht oder genetisch bedingter Wesensschwächen mehr oder weniger große Probleme mit Artgenossen haben. Diese zu bemitleidenden Artgenossen kommen durch die temperamentvollen Belästigungen unkontrolliert frei laufender Hunde aus ihrem Dauerstress und ihren oft nicht geringen Ängsten nie heraus.
Ich als erwachsener 10 jähriger Schäferhund bin auch nicht mehr scharf darauf, mit einem mir unbekannten, unerzogenen, hyperaktiven Junghund ein Hetzspiel zu beginnen. Noch dazu, wenn ich angeleint bin und der Junghund temperamentvoll über mich herfällt. Wenn er die Begrüßungszeremonien nicht einhält, bekommt er von mir einen Satz heiße Ohren und wenn sein Besitzer aus hundert Meter Entfernung noch so laut schreit: „der will doch nur spielen!“ Leider bin ich dann aber wieder der böse, böse Schäferhund, der noch dazu wie ein Wolf ausschaut.
Unser Rudel-Opa hat generell nichts gegen frei laufende Hunde, wenn sie einen guten Grundgehorsam haben, sich nicht über den Einwirkungsbereich (10 – 15 Meter) hinaus von ihrem Führer entfernen und auf Zuruf zuverlässig zurück kommen. An Passanten, spielenden Kindern, Radfahrern oder Joggern darf der Freiläufer kein Interesse zeigen oder er muss vorsichtshalber rechtzeitig zurückgerufen werden. – Jetzt sagen Sie mal selber, wie viele solche rücksichtsvollen Freiläufer sind Ihnen schon begegnet? Daher meint unser Opa, dass Hunde ohne diesen Grundgehorsam in Verkehrsbereichen und überall da, wo andere Menschen allein oder mit ihren Kindern, oder andere Hundehalter in Frieden ihre Freizeit genießen wollen, an die Leine gehören. Wenn sich die Klagen über die Rowdys im Hundepelz weiterhin häufen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn in manchen Städten die Leinenpflicht für alle Hunde – auch die anständigen – gesetzlich verordnet wird.
Wir erwachsenen Hunde spielen, soweit wir noch gesund sind, selbstverständlich auch manchmal noch gerne, aber so richtig vertrauensvoll spielen wir in der Regel nur noch mit befreundeten Hunden. Unser Rudel-Opa sagt: „Das ist wie bei Euch Menschen. Oder hat jemand schon mal in der Fußgängerzone erlebt, dass sich plötzlich wildfremde Menschen zum Spielen aufgefordert haben?“ Und so viel ich noch von meinen Vorfahren weiß, spielen erwachsene Wölfe, wenn überhaupt, nur mit Rudelangehörigen. Also bitte, gebt uns älteren Hunden ausreichend Gelegenheit auf abgesicherten Plätzen mit unseren Freunden zu spielen aber setzt uns nicht zu oft dem Begegnungsstress mit fremden Hunden oder deren häufigen Mobbing-Versuchen aus, nur weil wir beweisen sollen wie gut wir sozialisiert sind. Keiner von uns Hunden ist asozial, nur weil er sich nicht gleich vor jedem fremden Hund unterwürfig auf den Boden wirft, oder sich kein Spiel aufzwingen lässt. Wenn wir uns gegenseitig „nicht riechen“ können, dann sagen wir es in unserer Körper- und Lautsprache klar und deutlich, was in der Regel von unserem Gegenüber gleich verstanden wird. Nur sollten es unsere Menschen auch verstehen und auch tolerieren und nicht gleich einen Therapeuten mit uns aufsuchen.
Für heute wünsche ich Euch viel Sonnenschein beim hoffentlich interessanten Gassigang.
Bis auf bald
Euer Itchy


















